Draußen! Neue Alben von Gurriers, Tom Morello, The Ocean und mehr

Album der Woche: Gurriers – “Nobody’s Coming To Save You”
Mit “Nobody’s Coming To Save You”, dem Nachfolger ihres Debütalbums “Come And See” aus dem Jahr 2024, schärfen Gurriers aus Irland ihren ohnehin kantigen Sound und verbinden nervöse Post-Punk-Energie mit dreckigen Gitarren, treibenden Drums und bewusst eingesetzter Dissonanz. Wütend, ruppig und stellenweise überraschend melodisch, klingt das zweite Album nach einer Band, die ihren eigenen Stil zunehmend selbstbewusst präsentiert.
Tom Morello – “Everyone Gets Everything They Want”
Tom Morello setzt auf “Everyone Gets Everything They Want” ganz auf Haltung: markante Riffs und charakteristische Morello-Solos treffen auf politische Texte. Gäste wie Kneecap, Serj Tankian und Beartooth erweitern das kämpferische Soloalbum des Gitarristen von Rage Against The Machine.
The Ocean – “Solaris”
Progressiver Post-Metal und elektronische Klangflächen treffen auf die Science-Fiction-Welten von Stanisław Lem und Andrei Tarkowski. The Ocean verlassen mit “Solaris” ihre Reise durch die Erdgeschichte und richten den Blick ins All. Mit neuer internationaler Besetzung liefern sie einen düsteren Soundtrack für den Trip ins Unbekannte.
Gilla Band – “Pugnello”
Auf “Pugnello” von Gilla Band prallen Noise-Rock, Post-Punk und elektronische Klänge aufeinander. Kreischende Gitarren, trockene Beats und verstörende Dissonanzen wechseln mit hypnotischen Momenten. Ein sperriges, eigenwilliges Album, das bewusst Reibung erzeugen will.
Protomartyr – “Hotel Usona”
Zwischen politischer Entfremdung, Nationalismus und technologischem Wandel entwerfen Protomartyr auf “Hotel Usona” ein düsteres Bild der USA. Gegründet 2010 in Detroit, weiß die Band genau, wovon sie spricht. Ihr charakteristischer Post-Punk wird nun auch von Blechbläsern, ungewöhnlichen Skalen und noirhaften Gitarren erweitert.
Linkin Park – “Unshatter Film Soundtrack (Live In São Paulo)”
Linkin Park dokumentieren mit “Unshatter” ihre neue Ära live aus São Paulo. Klassiker wie “Numb” und “In The End” treffen auf Songs mit Emily Armstrong – ein Konzertmitschnitt zwischen Bandgeschichte und Neustart. Am 30. September 2026 kommen limitierte Vorführungen weltweit und in Deutschland in ausgewählten Kinos.
Keo – “Put A Smile On For Me”
90er Grunge, Post-Punk und Alternative-Rock: Die britische Band Keo, gegründet von den Brüdern Finn und Conor Keogh, holt auf “Put A Smile On For Me” die Nostalgie zurück. Schwere Gitarren, Feedback und melancholische Melodien erzählen von Schuld, Beziehungen und der Suche nach Glück.
Blondshell – “Violins”
Auf “Violins” zeigt Sabrina Mae Teitelbaum aka Blondshell eine rauere Seite. 90s-Grunge, Alternative-Rock und schrammelnde Gitarren treffen auf verletzliche Melodien und dunkle Themen rund um Beziehungen, Weiblichkeit und Selbstbehauptung. Ein kantiges, emotionales Album mit großen Hooks.
Adult DVD – “Adult DVD”
Hardcore-Energie, Rave-Synthesizer, Punk-Attitude: Adult DVD veröffentlichen mit dem selbstbetitelten Debütalbum zwölf spaßige Songs, die zum Tanzen auffordern. Der britische Humor führt die Texte an und die schweißtreibenden Beats gehen Hand in Hand mit den rotierenden Riffs der sechsköpfigen Band aus Leeds.
Gallus – “Life Is Bliss”
Das zweite Album von Gallus will nach vorn. Die melodischen Riffs ziehen die Schotten auf “Life Is Bliss” in eine Eskalation, die Aufbruchsstimmung verbreitet. Trotzdem bleibt der übergreifende Sound roh und die Punk-Anteile rhythmisch. Gallus schauen in eine ungewisse Zukunft, sind aber alles andere als trostlos.
Fluten – “Kalter Stern”
Textlich ist “Kalter Stern” ein eher trauriges Album, musikalisch lehnen Fluten aber in eine positiv klingende Richtung. Das paart die Hamburger Band mit prägnanter Lyrik. Ihr Sprechgesang fließt dabei mit harten Riffs, elektronischen Sounds und fetten Drums zusammen.
Leftovers – “Schau nicht so”
“Schau nicht so” ist der Titel des vierten Albums von Leftovers – und auch eine trotzige Ansage: Mithilfe von Indie-Pop, Post-Punk und Alternative Rock bringen die Wiener:innen dieses Mal eine Platte heraus, die zwar etwas ruhiger ist als die Vorgänger, aber trotzdem unbeirrt ihre Energie hochhält.
Les Shirley – “Hail Mary”
Die kanadischen Punks Les Shirley wissen auch auf ihrem dritten Album, wie sie eingängige Pop-Melodien einsetzen müssen, damit sie mit ihrem rohen Sound funktionieren. Dazu rücken sie auf “Hail Mary” gesellschaftliche Themen wie Frauenrechte, Queerness und das Patriarchat in den Fokus.
Pure Reason Revolution – “Terrifying Angels”
Scharfe Riffs treffen bei Pure Reason Revolution auf Gesangsarrangements, die vor Harmonie strotzen. Es handelt sich um das vierte Album seit dem 2020er Comeback “Eupnea”. Die englischen Progressive-Rocker füllen die sieben Songs, die häufig Überlänge haben, wie gewohnt mit viel Druck.
Slope – “Same Kids. Just Louder”
“Same Kids. Just Louder” ist das dritte Album der Hardcore-Band Slope. Die Duisburger werfen einen Blick zurück auf die Vergangenheit und auf ihre Heimatstadt, bringen aber auf ihre eigene Weise auch brachiale Elemente in den Vordergrund, sowie Features mit unter anderem Matthias Tarnath von Nasty.
Tommy And The Teleboys – “Bits And Pieces, Poorly Explained”
Das Quartett aus Sachsen-Anhalt hält auf seinem Album “Bits And Pieces, Poorly Explained” nicht an nur einem Genre fest, sondern sammelt Stückchen von Garage-Rock, Noise, Psychedelic und mehr. Die Themen von Tommy And The Teleboys sind ähnlich verschieden und alltägliche Probleme werden mal groovig und mal poppig aufgerollt.
The Family Business LTD – “The Family Business LTD”
Das Ska-Kollektiv The Family Business LTD bringt vielleicht erst ihr Debütalbum raus, Newcomer im Genre sind sie aber nicht. So stehen unter anderem Tim Armstrong und Jesse Michaels von Operation Ivy im Zentrum der Gruppe. “The Family Business LTD” ist eine tanzbare Platte, die die Wurzeln des jamaikanischen Ursprungs von Ska feiert.
Texte von Sophie Adema und Ines Heller
Der Beitrag Die Alben der Woche erschien zuerst auf VISIONS.de.
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